Hintergründe und Ziele der Pflanzenzucht in der Wildnis der Sonnengärtnerei
Schon lange vor Gründung der Sonnengärtnerei, als ich noch im konventionellen Gartenbau angestellt war, fragte ich mich immer wieder, ob es möglich ist, in völligem Einklang mit der Natur zu gärtnern und davon auch noch zu leben. Dass dies im Garten für den Eigenbedarf möglich ist, hielt ich schon lange für selbstverständlich. Im Laufe der Zeit stellte ich mir vor, wie ich die ganzen Kulturpflanzen völlig durcheinander pflanze, wie etwa in einem Mischwald. Wenn dann tatsächlich mal pflanzenfressende Insekten auftreten oder Krankheiten, dann werden immer nur eine oder einige wenige Pflanzen befallen, weil auf die benachbarten Pflanzen ganz andere Insekten bzw. Krankheiten gehen. Die Verluste müssten so gering sein, dass man kaum Angst vor Missernten hat. Aber geht so was auch im gewerblichen Gartenbau?
Es war ein langer Prozess, mich aus dem alten erlerntem Denken zu lösen: Wie gleiche ich das plötzliche Fehlen von Stickstoff kurzfristig aus? Was mache ich, gegen Spinnmilben, Blattläuse, Raupen usw. ohne Chemie.
Ein befreundeter Biogärtner sagte mir mal, dass viele den Boden nach dem Nachfüllprinzip bearbeiten: Wenn sie Nährstoffe in Form von Ernte entnehmen, müssen sie auch welche nachfüllen. Tatsächlich ist der Boden aber ein lebender Organismus aus Millionen Lebewesen. Er sollte auch als solcher behandelt werden, als eine Lebensform.
Ich hörte diese Worte wohl, es sollten aber über 10 Jahre vergehen, bis ich ihren Sinn begann zu verstehen. Lange stellte ich mir die Frage: Was heißt das denn nun konkret? Was muss ich denn anders machen?
Erst nach der Jahrtausendwende bekam ich Gelegenheit, in einem kleinen Gewächshaus meine Träume vom natürlichen Gartenbau hobbymäßig und ohne Druck eines Arbeitgebers auszuprobieren. Zuerst merkte ich, wie fruchtbar der Boden schon durch die Art des Gießens wird. Ich verwendete ausschließlich Regenwasser, welches ich im Gewächshaus anwärmen ließ. Und ich sah am Boden, wie die vielen Mikroben dankbar arbeiteten, sehr viel intensiver als nach einer Bewässerung mit kaltem Leitungswasser. Und es entwickelte sich in mir ein Respekt vor dieser so unscheinbaren aber doch wirksamen Lebensgemeinschaft.
Alles andere ergab sich daraus. Die Pflanzen wuchsen etwas langsamer, als ich es sonst gewohnt war, aber sie lebten länger und brachten zwar mäßige aber dafür über lange Zeit Erträge, die auch noch besonders gut schmeckten. Und irgendwann merkte ich, dass ich diesen Satz mit dem Boden als Organismus verstand und verinnerlichte: Die richtige Behandlung des Bodens ist die Grundlage für das Wachstum gesunder Pflanzen. Und nun ahnte ich: Mit dieser Herangehensweise müsste auch gewerblicher Gartenbau möglich sein.
Mit Gründung der Sonnengärtnerei bin ich angetreten, den Beweis zu erbringen, dass man auch gewerblich gärtnern kann, ohne irgend jemand in der Gärtnerei zu bekämpfen. Ich glaube fest daran, dass die Ökosysteme auf der Erde außerordentlich intelligent sind, und dass wir Gärtner vor allem die Aufgabe haben, unseren Platz im ökologischen Gleichgewicht zu finden, indem wir alles Leben um uns herum respektieren. Ungleichgewichte und Invasionen von Schaderregern sehe ich mittlerweile als eine Art des Redens der Natur, als Hinweis, dass ich etwas in meinem Denken, in meiner Einstellung und in der Gärtnerei anpassen, ändern soll und dass meine Pflanzen Stärkung brauchen.
Dies alles ist ein ständiger Entwicklungsprozess, d. h. ich bin weiter auf dem Weg. Wenn Sie mehr dazu erfahren wollen, sind Sie herzlich eingeladen, in der Sonnengärtnerei vorbei zu schauen. Ich beantworte gern Ihre Fragen.
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