Tagebuch aus der Sonnengärtnerei 2011

13. Dezember 2011

In den letzten Tagen habe ich den frischen Kompost umgesetzt. Dazu habe ich ihn auf ein Stück Wiese gefahren, auf dem ich ab nächstes Jahr ein Beet anlegen will. Knapp 50 cm hoch und locker aufgeschichtet, wird unter dem Material, das erst angefangen hat, zu verrotten, alles Gras absterben. Die Wurzeln werden zu Humus, es werden sich viele Regenwürmer und andere kleine Bodenlebewesen dort ansiedeln und hin und wieder wird sich in diesem Schlaraffenland auch der Maulwurf satt fressen. Die Grasnarbe wird auf diese Weise nicht nur mit Humus angereichert, sondern auch gleich aufgelockert. Wenn ich den Kompost im Frühling 2013 abtragen würde, könnte ich dort sofort ohne weitere Bodenbearbeitung Gemüse pflanzen. Da in dem Kompost aber auch einige Kartoffelschalen und grüne Kartoffeln lagen, werde ich diese wohl eher nächstes Jahr wachsen lassen und in den freien Stellen dazwischen Mais und Zucchini pflanzen. Auf diese Weise sind in der Sonnengärtnerei inzwischen einige Hügelbeete entstanden. Ein Jahr später ist der Kompost dann wahrscheinlich zu fertiger dunkler Erde geworden und auf eine Höhe von nur noch 20 cm zusammengesackt, so dass ich ihn auch dann wohl nicht mehr abtragen brauche. Mit der verrotteten Grasnarbe bildet er dann eine tiefgründige altgedüngte Erde, die z. B. bestens für Porree geeignet ist. Ich bin sehr froh, dass ich diese Arbeit bei den milden Temperaturen abschließen konnte. Nur so haben die Bodenlebewesen das Umsetzen überstanden. Bei Frost hätte das Umsetzen des warmen Kompostes für die Mikroben einen Kälteschock und damit ihren sicheren Tod bewirkt. 

Heute habe ich auch im Gewächshaus wieder gegossen. Da die Temperaturen noch über 0° liegen, habe ich noch insgesamt 3 Regentonnen in Betrieb. Im Gewächshaus wächst Feldsalat heran. Er braucht jetzt zwar nicht viel Wasser, mir war aber im November aufgefallen, dass die Wege im Gewächshaus ausgetrocknet waren. Da ich ja nach wie vor das Gewächshaus nicht beheize, trocknet es bei winterlichen Temperaturen sowieso immer aus. Mit dem trockenen Frost sterben jedes Mal die ganzen Bodenlebewesen mit ab. Es dauert immer bis zur Frühlingssonnenwende, bis ich den Boden dann zu neuem Leben erwecke. Wenn ich Ende April aber Salat oder noch früher Feldsalat ernten will, ist dies aber zu spät. Deshalb gieße ich dieses Jahr großzügiger und so lange wie möglich. Heute habe ich 150 Liter Wasser rein gegeben. Die Wege standen zum Schluss richtig unter Wasser. Dadurch habe ich auch zufällig die Wirkung von Wasser als Treibhausgas entdeckt. Wenn ich jetzt ins Gewächshaus komme, ist darin eine dicke feuchte Luft, die sich nur schwer erwärmt, die dafür aber auch lange warm bleibt. Dies hängt damit zusammen, dass bei der Kondensation von Luftfeuchtigkeit zu Nebel oder Tau Wärme frei wird. Umgekehrt verbraucht das Wasser, wenn es aus dem Boden und von den Scheiben verdunstet Wärme. Außerdem leitet ein feuchter Boden mehr Wärme in die Tiefe ab, bleibt also länger kalt, friert dafür aber auch langsamer ein als ein trockener Boden, weil ja unten mehr Wärme drin ist. Je mehr Wasser also im Boden ist, desto gleichmäßiger ist der Temperaturverlauf im Gewächshaus, dies ist also ein echter Treibhauseffekt. 

An eventuelle Nachahmer hier aber der Hinweis: Dies funktioniert in der oben beschriebenen Weise nur bei leichten und kurzzeitigen Frösten, bei einem normalen Gewächshaus also bei nächtlichen Tiefstemperaturen außerhalb des Gewächshauses bis -3°. Wird es kälter oder bei Dauerfrost friert es in einem feuchten Gewächshaus genauso. Das Wasser bewirkt nur eine Verzögerung, die jeweils für eine Nacht reicht. Wenn nasse Böden dann zufrieren, dann meistens tiefer und auch mit mehr Schäden für frostempfindliche Pflanzen. Also wenn man mit Wasser das Gewächshaus länger frostfrei und damit nutzbar halten möchte, ist ein wachsamer Blick auf die Wettervorhersage unerlässlich. 

 

7. Dezember 2011

Gestern gab ich den letzten Baumschnittkurs in diesem Jahr. Ich finde es immer wieder spannend zu beobachten, wie schnell manche Teilnehmer die Baumsprache erlernen, also wie es den Bäumen geht, welche Probleme jeder einzelne Baum so hat, und wo und wie ihm am besten geholfen werden kann. Anschließend philosophierten wir noch über gesundheitliche Themen und die Rolle von heilenden Pflanzen. Und irgendwo ähneln sich da Bäume und Menschen: Es gibt zwar Grundregeln des Baumschnittes, aber letztendlich braucht jeder Baum doch seine ganz persönliche Behandlung. Und so ist es mit Krankheiten auch: Es gibt zwar Grundregeln einer gesunden Lebensweise und auch zur Behandlung von Krankheiten. Aber letztendlich ist eine Krankheit auch immer etwas sehr Persönliches, was einem in einer ganz individuellen Weise auf einem Stück Lebensweg begleitet. Anastaßia sagte mal: Krankheit ist ein Versuch Gottes, mit einem ins Gespräch zu kommen. Wenn man seine Krankheit durchgestanden hat, ist man oft eine Entwicklung gegangen, die man vorher nicht erwartet hätte. 

Als dann alle gegangen waren, gab ich noch den letzten Pfefferminzpflanzen größere Töpfe. Ich will sie dieses Jahr im Gewächshaus überwintern, um dann im Frühjahr zeitig welche anbieten zu können.

 

5. Dezember 2012

Dies ist schon ungewöhnlich, wenn ein Tagebuch erst im Dezember anfängt. Ich muss schon zugeben, dass ich in diesem Jahr hin und wieder überlegt hatte, das Tagebuch schreiben ganz aufzugeben, einfach weil ich zeitlich nicht mehr dazu gekommen war. So wird es in diesem Jahr eher ein Jahresrückblick.

Zum letzten Jahreswechsel hatte ich den meisten Freunden und Bekannten ein spannendes Jahr 2011 gewünscht. Dieser Wunsch kam zu mir zurück, das Jahr wurde durchweg spannend für mich.

Es fing damit an, dass ich ab Januar mit einigen kleineren und teils auch unangenehmeren Krankheiten zu tun hatte. Ich dachte noch: Bloß gut, dass mir das jetzt im Winter passiert. Dann aber wurde es März und die seltsame Erkältung wollte noch immer nicht weg gehen. Da wurde ich schon etwas nervös. War ich doch in meiner Arbeitskraft deutlich eingeschränkt. Gleichzeitig kam in der 2. Februarhälfte noch mal ein Kahlfrost mit zweistelligen Minusgraden. Und auch wenn in der ersten Märzhälfte die Sonne schon frühlingshaft schien, wehte doch ein eisiger Nordostwind. Und es gab noch immer keine Nacht ohne Frost. Ich wollte etwas tun in der Gärtnerei, es war aber noch nicht die Zeit für Arbeiten an den Beeten. Mitte März kam dann langsam aber sicher der Frühling und mit ihm gingen meine winterlichen Krankheiten.

Ich fühlte mich gestärkt und konnte mit der Jungpflanzenanzucht und dem Bestellen der Beete loslegen. Ich wollte auch in den Kundengärten anfangen, zu meinem Erstaunen hatte aber noch niemand Bedarf an Gartenpflege. Als ich Mitte April noch immer keine Aufträge hatte, wurde ich wieder nervös. Denn aus dem Jungpflanzenverkauf kamen auch noch nicht so viele Einnahmen. Dafür konnte ich mich in diesem Jahr intensiver als sonst meinen Pflänzchen widmen und sie alle rechtzeitig pikieren. So gingen die meisten Arbeiten in dieser Zeit in Pikieren, Gießen und Umräumen drauf. Wenn in einer Gärtnerei im Frühling viel umgeräumt wird, dann ist dies ein gutes Zeichen. Die Entwicklung der Pflanzen verläuft in den Wachsemonaten April und Mai nämlich sehr rasant. Und die Temperaturen wechseln ebenso rasant, vor allem unter den Glasflächen. Dies kann man zwar mit Lüften und Schattieren teilweise recht gut abfangen. Aber die schnell wachsenden Pflanzen wollen auf ihren künftigen Platz bei den Kunden bzw. auf meinen Beeten auch richtig vorbereitet werden. Es ist ja niemandem geholfen, wenn ich prächtige Pflanzen aus dem Gewächshaus verkaufe, die dann später beim ersten Wind oder leichtem Spätfrost gleich umfallen. Vor allem Kohl, Salat, Sellerie- und Porreepflanzen müssen abgehärtet werden, und zwar stetig und behutsam zugleich, ebenso die Tomatenpflanzen. Aber gerade letztere müssen dann bei der geringsten Frostgefahr auch abends wieder zugedeckt oder reingeräumt werden. So räumte ich täglich die Pflanzen um und manchmal auch zweimal am Tag.

Dann kam die Nacht zum 5. Mai, die wohl in die gärtnerische Geschichte eingehen wird. Vermutlich bedingt durch den langen Frost im März blühten meine Apfelbäume dieses Jahr recht zögernd auf. Ich beobachtete die Blüten mit Spannung, hatte ich doch 2010 nur eine geringe Ernte, weil es zur Blütezeit ständig unter 10° kalt war, so dass kaum Insekten die Blüten bestäubten. Ich gönnte den Bäumen diese Pause, hoffte aber auf eine bessere Ernte in diesem Jahr. Tatsächlich blühten Anfang Mai auch fast alle Bäume, es war angenehm warm und ich hörte wieder den mir so angenehmen Summton der Bienen.

Am Abend vor dieser Nacht bereitete ich mich auf die Teilnahme an der Produktbörse von Direktvermarktern in Fredersdorf vor. Ich stellte meine ganzen Kräuter und Gemüsepflanzen bereit zum Einladen. Denen ich leichten Frost zumutete, die blieben gleich draußen auf dem Ladentisch, die Tomaten und die Maispflanzen ließ ich im Gewächshaus.

Morgens vor dem Einladen wollte ich die Pflanzen noch gießen. Die Erde um die Salatpflänzchen war aber hart gefroren. Damit hatte ich nicht gerechnet. An der Innenseite der südlichen Glasfront im Gewächshaus waren -6°, was bedeutet, dass im Freiland -7° waren. Nur die Pflanzen an der Holzwand an der Nordseite im Gewächshaus blieben vom Frost verschont, praktisch meine ganzen Zimmerpflanzen. Die Tomaten und der Mais in der Mitte haben alle was abbekommen. Ich musste also sortieren, was ich überhaupt noch mitnehmen konnte und kam dadurch mal wieder recht knapp in Fredersdorf mit meinen Pflanzen an.

Von den Tomaten hatten dann aber mehr überlebt, als ich es zunächst erwartet hatte. Bei den Apfelbäumen wurde der Schaden in den Wochen darauf aber immer deutlicher. Ich erntete dann im Herbst von 160 Bäumen etwa 100 kg Äpfel, davon 40 kg Verkaufsfähige. Den Rest verwendete ich für den Eigenbedarf für Saft und zum Essen.

Im Mai fühlte ich mich dieses Jahr erstmals gut in der Zeit. Meine Pflänzchen entwickelten sich optimal, ich erledigte meine Arbeiten zeitgerechter als in den Vorjahren. Nur mit der Bepflanzung der Beete kam ich auch dieses Jahr teilweise nicht hinterher. Ich dachte: Dann gibt es auch dieses Jahr wieder eine Sommerpause, bis es was zu ernten gibt, aber die Jungpflanzen sind ja auch wichtig für die Einnahmen im Frühling. Ab Mitte Mai kamen dann die ersten Anfragen, ob ich denn schon Salatköpfe habe. Wegen EHEC trauten sich viele nicht mehr, welchen zu kaufen. Da erkannte ich meinen strukturellen Anbaufehler. Ich hatte mir die Glasflächen mit jungen Kräutern, Gemüsepflanzen, Frühjahrs- und Sommerblühern blockiert, anstatt das anzubauen, was ich ursprünglich bei der Gründung der Sonnengärtnerei wollte: Gesundes Gemüse so früh wie möglich. Ich nahm mir vor, dies ab 2012 endlich umzusetzen.

Nachdem ich von Dezember bis April so gut wie keine Gartenpflegeaufträge hatte, überstürzten sich die Anfragen ab Mai. Ich hatte damit gerechnet, kam aber trotzdem kräfte- und zeitmäßig an meine Grenzen. Noch im April fragte ich bei meinen Stammkunden an, einfach um die kommende Arbeitsspitze etwas vorzuverlegen und damit zu verteilen. Aber alle meinten, es wächst ja noch nichts und sie würden sich melden. Das taten sie dann ab Mai auch. Aber da war vielen das Unkraut auch schon über den Kopf gewachsen. Dem kann ich im kommenden Jahr vorbeugen. Denn inzwischen kenne ich meine Kundengärten so gut, dass ich schon beim Lesen der Anschrift weiß, ob gerade dort was zu tun ist und was, so dass ich 2012 meine Kunden an die gerade anfallenden Gartenarbeiten erinnern kann.

Da der Sommer dann feucht und der Herbst warm war, gab es bis zum heutigen Tag noch reichlich zu tun. So war die Entwicklung der Sonnengärtnerei insgesamt gegenüber den Vorjahren positiv. Zwischendurch fragte ich mich, wie ich das alles geschafft hätte bei einer normalen Apfelernte. Ich merkte, dass ich meine Arbeitsstruktur effektiver gestalten musste, wusste nur erst mal nicht wie. Die Zeitumstellung Ende Oktober gab mir dazu den richtigen Anstoß. In den Wochen bis dahin war ich meistens nur noch während der Kernöffnungszeiten in der Gärtnerei. Nachmittags fuhr ich dann meistens in die umliegenden Kundengärten. Damit konnte ich jeden Nachmittag einen Garten bearbeiten, während die Gärtnerei zusehends verwilderte. So richtig zufrieden war ich damit nicht. Nach der Zeitumstellung wurde es dann spätestens um 17 Uhr dunkel. Ab jetzt lohnten sich die Nachmittagseinsätze nicht mehr. Die Anfragen von Kunden waren aber so zahlreich, dass ich einen Monat im Voraus ausgebucht war. Spätestens jetzt war eine Änderung nötig. Der Montag und Freitag und zeitweise auch der Samstag reichten nicht mehr aus für die Gartenpflege. Und so änderte ich ab November meine Öffnungszeiten. Hier merkte ich, dass es ein Nachteil ist, wenn man seine Öffnungszeiten auf seine Visitenkarten schreibt. Da sich die Kunden auf diese Zeiten verlassen, hatte ich lange mit einer Änderung gezögert. Aber nicht umsonst habe ich ja darunter den Zusatz: Lange Öffnungstage aktuell auf Anfrage und im Internet. Also da steckt schon der Hinweis drin, dass sich die Zeiten nach einer Weile auch mal ändern können.

Ich nahm also ab November den Mittwoch aus meinen Kernöffnungszeiten heraus und verlängerte die Zeiten am Dienstag und Donnerstag auf 9 bis 15 Uhr. Da ich nach wie vor halbmonatlich meine autistische Tochter betreue, kann ich in diesen Tagen nicht länger in der Gärtnerei sein. Unabhängig davon geht es mir und der Gärtnerei mit diesen neuen Öffnungszeiten sehr gut. Ich bin nur noch zwei Tage in der Woche fest in der Gärtnerei, an diesen Tagen aber dafür lange. Und an den anderen Tagen pflege ich Gärten, beschneide Hecken und Obstbäume, berate die Kunden. Dies ist effektiver und ich fühle mich seitdem ausgeglichener.

Vor einigen Tagen haben wir das Gewächshaus verhüllt. Ich wollte mal heraus finden, ob es mit der 2. Haut länger frostfrei drinnen bleibt. Ich wollte ja mal zur Weihnachtszeit Alpenveilchen und Weihnachtskakteen anbieten. Tatsächlich sind jetzt 2° mehr drin als vorher. Es kommt zwar nicht mehr so viel Sonne rein, dafür bleibt es an der Nordwand bis zu 8° wärmer als draußen. Einen Kälteeinbruch mit zweistelligen Minusgraden, wie wir ihn vor einem Jahr hatten, hält die Verhüllung zwar nicht ab, für die Adventszeit normale Minusgrade aber schon. So können bis jetzt immer noch ein paar Zimmerpflanzen drin bleiben. Und ich habe die Aussicht, im kommenden Jahr schon Anfang Februar mit den Aussaaten zu beginnen.

Ich weiß noch nicht, ob ich das Tagebuch schreiben 2012 wieder aufnehme, vor allem regelmäßiger. Gut wäre es auf jeden Fall, schon für mich selbst, weil ich damit meine Arbeiten selbstkritischer betrachten kann. Denn beim Schreiben werden mir oft Dinge deutlich, die ich sonst gar nicht bemerken würde. Also schaut einfach hin und wieder mal rein hier.

 

Das verhüllte Gewächshaus 

 

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