Ein Exkurs in die Geschichte der politischen Ökonomie 

5.7.2019

Mindestens seit Jahrhunderten denken Menschen darüber nach, wie das System der Gesellschaft gerechter gestaltet werden kann. Eine sehr frühe Abhandlung ist das Buch "Utopia" von Thomas Morus. 

 

 

1848 setzten sich Karl Marx und Friedrich Engels zusammen und schrieben das "Manifest der Kommunistischen Partei". Dieses Heft war der Auftakt mehrerer Bücher, in denen die beiden zunächst den Kapitalismus analysierten. Sie stellten fest, dass Kapital den Drang hat, wachsen zu müssen, ab einem Grad unter allen Umständen. Gleichzeitig fließt es permanent von einer Gruppe der Gesellschaft zur anderen. Die beiden Denker nannten die Gruppe mit dem wachsenden Geld Kapitalisten und die Gruppe, die den Wert hinter diesem Geld erarbeiten Proletarier. 

Als Ausweg und Alternative beschrieben Marx und Engels den Kommunismus. Sie gingen davon aus, dass das Geld zu den Eigentümern der Produktionsmittel fließt, also zu den Eigentümern der Betriebe. Eine Sonderstellung hat dabei der Grund und Boden. Dieser wird als Hauptproduktionsmittel eingestuft. 
Im Kommunismus sollen die Produktionsmittel allen gehören. Demzufolge können sich einzelne nicht mehr auf Kosten anderer bereichern. 

Es gab in der Geschichte etliche Versuche, dieses Konzept umzusetzen. Es wurde nicht einer vollendet. 

 

Vor genau hundert Jahren setzte sich ein anderer Denker mit den Schriften von Marx und Engels kritisch auseinander. Gottfried Feder gab im Jahr 1919 das "Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft" heraus. An den Ideen der Kommunisten kritisiert er in seinem Buch, dass sie die Gesellschaft in die beiden Blöcke Proletarier und Kapitalisten aufteilen, und dass Marx und Engels die Kapitalisten auf die Betriebsinhaber beschränken. Er schreibt, dass die wirklichen Verursacher der meisten weltweiten Ungerechtigkeiten in den Banken sitzen. Wobei ich das nicht unbedingt als Widerspruch sehe. Es ist ja eine Binsenweisheit, dass die meisten Häuser und Beriebe gar nicht den Chefs darin gehören, sondern der Bank, an die sich die Menschen verschuldet haben. Also gehören die Produktionsmittel den Banken und zu ihnen fließt das Geld, und zwar weltweit. 

Feder sieht demzufolge die Betriebsinhaber und ihre Mitarbeiter im selben Boot und nicht als Gegner. Die wahren Gegner sieht er in den Banken, welche mit Krediten die Betriebsinhaber bis hoch zu den Konzernchefs zur Ausbeutung ihrer Mitarbeiter zwingen. Und die Betriebsinhaber werden gleichzeitig zu Selbstausbeutern. 

Feder weist in seinen Werken nach, dass Geld selbst niemals arbeitet, denn es ist nur eine Verrechnungseinheit für geleistete Arbeit. Sämtliche Zinsen weltweit müssen irgendwo durch jemand erarbeitet werden. 

Gottfried Feder hat ebenfalls ein alternatives Gesellschaftskonzept: Den Sozialismus. Feder sagt: Im Sozialismus gibt es auch Zinsen, aber die bleiben im eigenen Land. Das Eigentum an Grund und Boden und an den Betrieben will er nicht antasten. Aber in seinem Konzept sollen die Banken verstaatlicht werden. Er hat in seinem ersten Konzept einen festen Zinssatz von 6 %. Außerdem soll die Währung des Landes nicht länger von Gold gedeckt werden, sondern durch Arbeit. 

Dieses Konzept wurde ab 1933 im Nationalsozialismus in Deutschland umgesetzt. Es führte sehr schnell zu Vollbeschäftigung und die Arbeit begann, sich für alle zu lohnen. 

Eine heute bekannte dunkle Seite des Nationalsozialismus war der Antisemitismus. Bereits in Feders erstem Buch taucht er am Ende in nur einem Satz auf. Im dritten Deutschen Reich hat der Mord an 6 Millionen Juden die Idee hinter Feders Konzept so klein gemacht, dass seine Werke nach 1945 weitgehend verschwiegen wurden. Seine Grundideen bleiben aber interessant und praktikabel, wenn in Zukunft ausgeschlossen werden kann, dass sein Sozialismus-Konzept erneut in einem Blutvergießen endet und in einer Verfolgung von Minderheiten. 

Die Sowjetunion hat die wirtschaftliche Kraft des Nationalsozialismus erkannt und das Konzept in ihrer Besatzungszone in der DDR teilweise fortgesetzt: 

Das Geld in der DDR war weiter durch Arbeit statt durch Gold gedeckt. Es gab feste Zinssätze, die ebenfalls im eigenen Land blieben. Die von den Nationalsozialisten begonnenen Fünf-Jahr-Pläne wurden fortgesetzt und vieles mehr. Dieses Deutsch-Sowjetische sozialistische Experiment brachte die DDR zum wohlhabenstem Land im RGW (RGW = Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe - im damaligen allgemeinen Sprachgebrauch auch der Ostblock genannt). Allerdings presste die Sowjetunion dafür jede Menge Abgaben in Naturalform aus der DDR. Die Güterzüge, die nach Osten fuhren, waren in der Regel voller als die Züge, die aus dem Osten zurück kamen. Und in Feders Manifest war auch keine Enteignung von Großgrundbesitzer vorgesehen und auch keine Zwangskollektivierung der Bauern. Das alles passierte auf Initiative der Sowjetunion. Deshalb war das Wirtschaftssystem der DDR eine Mischung aus Sozialismus und Kommunismus.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus mit den Millionen Opfern durch Krieg und Vernichtungslager setzte sich eine verständliche Abscheu vom Gesamtkonzept durch. 
Ähnlich wie nach dem Ende der DDR, auch wenn die Opferzahl geringer war, wollte niemand mehr Sozialismus, Kommunismus oder Nationalsozialismus. 

Ich glaube, dass man sich die Konzepte ansehen kann und dabei überlegen muss, wie solche Auswüchse, die darin nicht vorgesehen waren, bei einer erneuten Umsetzung verhindert werden können. Aus der Geschichte kann man erst dann richtig lernen, wenn man die guten Erfahrungen genauso als Geschichte, als geschehen akzeptiert wie die schlimmen Ereignisse. Weder Verharmlosung noch Glorifizierung ist hilfreich, sondern Bereitschaft zum Lernen aus der Geschichte.

Viele fragten sich nach dem Ende der DDR, was jetzt noch kommen kann. Und die gegenwärtigen Hunger-, Armut- und ökologischen Probleme schreien nach einer Lösung, die unser gegenwärtiges System nicht her gibt. 

Tatsächlich hat sich seit 1994 Wladimir Megrè dazu Gedanken gemacht und in seiner aus 10 Bänden bestehenden Buchreihe "Anastasia" ein alternatives Gesellschaftskonzept entwickelt. Megré hat als Grundlage für eine alternative Gesellschaft die Umverteilung des Hauptproduktionsmittels, den Grund und Boden. Nach seinem wedischen Konzept, soll jede Familie 1 Hektar Land bekommen. Dieses Land darf sie über Jahrhunderte unbegrenzt bewirtschaften, also vererben, aber nicht verkaufen. Spekulation mit dem Land wird ausgeschlossen. 
Das Land versorgt die Familien mit allem, was sie brauchen und es bleibt auf ihm sogar Lebensraum für die wild lebenden Tiere. Und da jeder Mensch etwas Besonderes ist, mit besonderen Fähigkeiten, schließen sich viele Familien zu Siedlungen zusammen, und leben autark. 

 

Im Band 4 "Schöpfung" beschreibt Megré das Grundkonzept und seine Funktion für die einzelnen Familien. In den darauf folgenden Bänden gibt es Beispiele, wie Siedlungen aus Familienlandsitzen die ganze Gesellschaft und die Erde heilen können.

Ich bekenne immer wieder, dass ich fasziniert von diesem Konzept bin. Während in Feders Konzept die Zinsen im eigenen Land bleiben, gibt es im wedischen Konzept keine Zinsen mehr. Es gibt auch keine Industrie mehr, sie wird nicht mehr gebraucht. Die Menschen leben vegan und in Frieden auf und mit der Erde, die sich wieder erholt.

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